Am zweiten September Wochenende 2025 sind wir mit unserem Sprinter in Richtung Osten gefahren – zum Parc National de la Gaspésie. Hier wollten wir Wandern und ein paar Tage in der Natur verbringen. Vor allem aber wollten wir die Karibu sehen. Neben den imposanten Bergen der Chic-Choc sind sie das Highlight des Nationalparks.
Karibu beobachten auf dem Mont Jacques-Cartier
Im Gaspésie-Nationalpark, genauer gesagt, um den Berg Mont Jacques-Cartier, lebt die letzte Karibu-Herde südlich des Sankt-Lorenz-Stroms. Karibu sind vom Aussterben bedroht. Die Herde in der Gaspésie zählt in etwa 20 Tiere. Der Nationalpark wurde zum Schutz der Karibu gegründet.
Für 8:45 Uhr hatten wir uns Plätze im Kleinbus der Sepaq reserviert, um uns vom Besucherzentrum am Mont Albert im Zentrum des Parks zum Mont Jacques-Cartier fahren zu lassen. Das Besucherzentrum liegt an der asphaltierten Route 299, die Sainte-Anne-des-Monts an der Küste des Sankt-Lorenz-Stroms mit New Richmond im Süden der Halbinsel verbindet. Zum Mont Jacques-Cartier führt hingegen nur eine Schotterpiste. Wir wurden eine Stunde lang kräftig durchgeschüttelt und waren am Ende des Tages froh, dass wir nicht mit unserem Sprinter zur Wanderung gefahren sind.
Am Start des Wanderwegs mussten wir dann noch ein paar Minuten warten. Um die Karibu so wenig wie möglich zu stören, ist die Wanderung nur von 10 bis 16 Uhr möglich.
Die Wanderung ging stetig bergauf, aber die Steigung war in Ordnung.
Nach etwa einer Stunde erreichten wir eine kleine Lichtung. Von hier aus geht es auf den Gipfel des Mont Jacques-Cartier. Ein kurzer Abzweig führt an einen kleinen See.
Wir hatten schon beschlossen den See auf dem Rückweg anzuschauen, als wir aufgeregt angesprochen werden: „Allez voir! Un Caribou au lac!“
Und tatsächlich – ein Karibu mit stattlichem Geweih zeigte sich am anderen Ufer des Sees!




Nachdem wir eine knappe halbe Stunde dem Karibu bei seinem Alltag beobachtet hatten, beschlossen wir den Gipfel in Angriff zu nehmen. Kaum verließen wir den Schutz der Bäume, mussten wir uns wärmer anziehen. Der Wind senkte die Temperaturen um gute 10 Grad und so packten wir sogar unsere Handschuhe aus.
Der Gipfel is komplett kahl. Unser Ziel, ein Aussichtsturm, war bereits von weitem zu sehen, aber überraschend weit weg. Im Turm konnten wir unser Vesper vom Wind geschützt genießen. Wobei der Wind kräftig durch Spalten an der Aussichtsplattform pfiff – wie heulende Gespenster. Vom Turm aus konnten wir in der Ferne zwei weitere Karibu ausmachen.




Auf dem Rückweg waren wir neugierig, ob unser Karibu noch da war. Und tatsächlich, die Show ging weiter. Er war sogar noch aktiver als davor.
Die Wanderung auf den Mont Jacques-Cartier war wunderbar. Wir hatten gehofft Karibu zu sehen, aber dass wir die Chance haben, ein Tier über längere Zeit zu beobachten, hat uns begeistert.



Details zur Wanderung:
- Länge: 8,2 km
- Steigung: 465 m
- Startort: Poste d’accueil Mont Jacques-Cartier
Wanderung auf den Mont Olivine
Für den zweiten Tag hatten wir uns eine weitere Wanderung vorgenommen. Da wir bereits am Vortag auf den Mont Jacques-Cartier gestiegen sind, wollten wir die Schwierigkeit zumindest nicht erhöhen. Wir entschieden uns für die Wanderung auf den Mont Olivine. Die Wanderung konnten wir bereits am Campingplatz beginnen.
Der Mont Olivine ist ein Nachbargipfel vom Mont Albert. Mit 670 Metern liegt der Gipfel deutlich unter dem des Mont Albert mit 1088 Meter.
Die ersten zwei Kilometer verlaufen flach entlang der Rivière Sainte-Anne und ihrem kristallklarem Wasser. Danach ging es den Berg hinauf. Die Steigung war an manchen Stellen heftiger als am Mont Jacques-Cartier. Wir machten ein paar zusätzliche Verschnaufpausen.
Im Gegensatz zum Mont Jacques-Cartier verlief die Wanderung auf den Mont Olivine die meiste Zeit im Wald. Erst auf dem Gipfel wurde die Vegetation lichter.
In der Nähe des Gipfels hofften wir dann noch einen Elch zu Gesicht zu bekommen. Auf dem Wanderweg erkannten wir eindeutig Spuren in den schlammigen Abschnitten. Wir schauten gespannt in die kleinen Wäldchen um den Gipfel, aber wir hatten leider kein Glück.
Die Wanderung war eine angenehme Herausforderung und wir hatten eine schöne Aussicht vom Gipfel auf die umliegenden Berge.



Wieder unten angekommen hatten wir dann noch eine etwas verrückte Idee: Feuerholz holen am Besucherzentrum des Mont Albert – zu Fuß. Unsere Wanderung verlängerte sich um 4 km und wir mussten einige zusätzliche Höhenmeter überwinden. Der kürzeste Weg führte entlang eines Trails mit einem Aussichtsturm. Wir haben viel gelacht, aber werden das nächste Mal wohl doch unseren Sprinter vom Stellplatz bewegen.
Details zur Wanderung:
- Länge: 11,4 km (15 km, inklusive unserer Holz-Odysee)
- Steigung: 460 m
- Startort: Centre de découverte et de services
Abendessen in der Gîte du Mont-Albert
Der Gaspésie Nationalpark bietet nicht nur Abenteuer in atemberaubender Natur, sondern auch mit der Gîte du Mont-Albert auch eine Luxusunterkunft und lokale Haute-Cuisine.
Wir gönnten uns einen Abend im Restaurant, und ließen den Tag am Mont Jacques-Cartier Revue passieren. Hummer und Lachs, Spezialitäten der Region, waren sehr lecker.
Stellplatz am Campingplatz Mont-Albert
Der Gaspésie Nationalpark bietet mehrere Campingplätze an unterschiedlichen Orten im Park. Wir waren im Campingplatz Mont-Albert in der Nähe des Besucherzentrum und der Gîte du Mont Albert.
Der Stellplatz war sehr groß und durch Bäume von den Nachbarplätzen getrennt. Eben so, wie wir es von Sepaq-Nationalparks gewohnt sind.
Zum Abschluss
Auf der Rückfahrt hielt die Natur noch eine letzte Überraschung für uns bereit. Nachdem wir uns am Vortag so sehr gewünscht hatten, Elche auf dem Gipfel zu sehen, warteten schließlich zwei von ihnen am Straßenrand auf uns und fraßen friedlich vor sich hin.
Zum Abschluss, auf dem Weg nach Québec, machten wir auch einen Zwischenstopp im Nationalpark Bic, einem Ort, von dem wir nie genug bekommen können. Eine letzte Pause, um die Landschaft zu bewundern und dieses lange Wochenende im Freien noch ein wenig zu verlängern.